Rudow Radar - Site I.

 

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Rudow Radar (Site 1) war, gerade einmal 100 meter von der Zonengrenze entfernt, im südöstlichsten Berzirk Berlins gelegen.Diese Anlage, von der ASA (Army Security Agency - der "militärische Arm" der amerikanischen NSA) betrieben, befand sich im äußersten Südosten von Westberlin direkt am Todesstreifen.

 

Die Einrichtung muß Anfang der fünfziger Jahre erfolgt sein, abgebaut wurde die Station erst nach dem Mauerfall. Site 1 nimmt eine besondere Rolle in der Geschichte Berlins ein - von hier aus ließen die CIA und der britische SIS 1954 den berühmten Spionagetunnel der "Operation Gold" nach Ostberlin anlegen.


POSTEN:
Posten 1: Patroullienposten .
Sonderposten während Krisenzeiten

 

Am 23. April 1956 lieferte Berlin dem Kalten Krieg eine neue Sensation: Russische Telefontechniker "entdeckten" einen westlichen Spionagetunnel, der von Rudow in West-Berlin unter der Sektorengrenze hindurch nach Altglienicke auf Ostberliner Gebiet führte. Es rauschte ganz gehörig im DDR-Blätterwald. Von einem "ungeheuerlichen Anschlag auf die Souveränität des sozialistischen Arbeiter-und-Bauern-Staates" war die Rede und von einem "Verbrechen der Amerikaner", das den Weltfrieden gefährde. Bei einer routinemäßig durchgeführten Kontrolle, so berichtete das "Neue Deutschland" am 24. April 1956 in großer Aufmachung, hätten die sowjetischen Soldaten sonderbare Störungen ihres Telefonverkehrs bemerkt. Also gruben sie die gesamte Kabelstrecke auf und standen plötzlich vor einem großen Spionagetunnel. Er war 583 Meter lang und 1,90 hoch, und er führte von Rudow im Westteil der Stadt bis zur Schönefelder Allee in Altglienicke. Dort hatten Amerikaner und Engländer mehr als 250 Telefonkabel angezapft, über die der Telefonverkehr zwischen den sowjetischen Stellen in Ostdeutschland und der Moskauer Zentrale lief. Wie lange schon, das konnten die Sowjets nicht sagen. Und das war, wie sich später herausstellte, eine Lüge.

 

Verwirrspiel


Von Anfang an war das KGB über jeden Schritt seiner westlichen Gegenspieler informiert. Sämtliche Telefongespräche, die CIA-Agenten seit dem 10. April 1955 mithörten, waren zuvor vor den Sowjets sorgfältig ausgewählt worden. Der Westen erfuhr nur das, was er erfahren sollte. Nicht einmal die Genossen des Ost-Berliner Ministeriums für Staatssicherheit wußten, was hinter den Kulissen gespielt wurde. Erst im Jahr 1970 lüfteten die Sowjets das größte Spionagegeheimnis des Kalten Krieges: Einer der Initiatoren des Tunnelbaus, der britische Geheimagent George Blake, arbeitete für den KGB. Wer war dieser George Blake, über dessen Spionagetätigkeit die Sowjets so lange schwiegen? Er wurde 1922 in den Niederlanden als Sohn eines ägyptischen Juden und britischen Staatsbürgers geboren. Während des Krieges floh er nach England und diente in der Royal Navy. Als Blake 1949 englischer Vizekonsul in Korea wurde, war er längst Agent des britischen Geheimdienstes SIS, des damals angeblich besten der Welt. Er geriet in nordkoreanische Gefangenschaft und erlebte hautnah die Schrecken des Krieges. Im Gefangenenlager entdeckte Blake auch seine frühen Sympathien für den Kommunismus wieder. Der SIS-Agent bot sich in dieser Situation dem KGB an. Dort griff man nach kurzem Zögern zu.

 

Vielseitig


Nach Blakes Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft schickte ihn der SIS nach Ost-Berlin mit dem Auftrag, ein Agentennetz aufzubauen. Kaum zu glauben: Ein britisches Agentennetz, überwacht vom KGB! Solange es für die Russen nützlich war, versorgten sie die Agenten mit falschen Informationen, danach wurden sie verhaftet - und nicht selten hingerichtet. Neben der Enthüllung von Spionagevorhaben des Westens war Blake seinen sowjetischen Auftraggebern auch in außenpolitischen Fragen behilflich. Während der Genfer Verhandlungen im Jahre 1959, die Moskau mit dem Westen in der Berlin-Frage führte, verriet er sämtliche Pläne der Amerikaner und Briten an die Sowjets. Erst Anfang der 60er Jahre kamen der SIS-Zentrale Zweifel an Blakes Zuverlässigkeit. Die größte Gefahr für jeden Spion sind die Überläufer. Ein solcher - es war kein Geringerer als der stellvertretende Leiter des polnischen Militärnachrichtendienstes M. Goloniewski - wurde auch dem vorsichtigen Blake zum Verhängnis. Goloniewski erzählte in London, die Sowjets besäßen eine Liste von 26 polnischen SIS-Agenten, die, so fand man schließlich heraus, nur aus Blakes Panzerschrank stammen konnte. 1961 wurde Blake verhaftet und zu 42 Jahren Gefängnis verurteilt - die höchste Strafe, die je ein britischer Spion erhielt. Auch mit der Herrlichkeit des britischen Geheimdienstes war es jetzt vorbei. Die CIA verlor das Vertrauen zu den Agenten ihrer Majestät, weil sie befürchteten, der SIS sei von sowjetischen Agenten durchsetzt. CIA-Spionageaktionen fanden jetzt ohne Wissen der Briten statt. Indes saß Blake in Wormwood Scrubs, einem festungsartigen Gefängnis im Westen Londons. Dort säße er vielleicht noch heute, wäre ihm 1966 nicht eine spektakuläre Flucht gelungen. Nur drei Leute halfen ihm dabei. Mit ihnen hatte er zuvor im Knast gesessen, gemeinsam planten sie die Flucht. Eine Flucht wie aus einem James-Bond-Film: Blake stieg durch zersägte Gitterstäbe, verbarg sich im Hof des Gefängnisses und kletterte schließlich mit einer Strickleiter über die Mauer. Und während die englische Polizei den Topspion in ganz England suchte, saß dieser zwei Kilometer vom Gefängnis entfernt in einem von seinen Freunden angemieteten möblierten Zimmer. Die warteten einige Zeit, bis sich die größte Aufregung gelegt hatte. Dann versteckten sie Blake in einem präparierten Campingwagen, der ihn aus England heraus und bis nach Ost-Berlin brachte.

 

Leninorden als Dank


Lange Zeit glaubte man, KGB-Offiziere hätten die Flucht ihres Topagenten organisiert. Niemand hielt es für möglich, daß man so einfach aus Wormwood Scrubs fliehen konnte. Aber Moskau war, wie Blake später erzählte, völlig ahnungslos. Sein ehemaliger KGB-Kontaktmann mußte ihn erst identifizieren, bevor beide den Flieger nach Moskau besteigen durften. Dort heftete man Blake den Leninorden an die Brust, den zuvor nur Stalins Spitzenagent in Tokio, Dr. Richard Sorge, erhalten hatte. Heute lebt George Blake, der Mann, der mehr als 400 Agenten an den KGB verriet, zurückgezogen in der Nähe von Moskau. "Ich habe mir ausbedungen, daß keiner der von mir Verratenen hingerichtet wird", rechtfertigte er sich vor Journalisten und fügte resigniert hinzu: "Wir waren Soldaten im Kalten Krieg."