Das 6941st Guard Battalion Berlin - 4. Kapitel 1952

 

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Im Frühjahr dieses Jahres wurde Roosevelt Barracks von den bisher dort stationierten US Truppenteilen geräumt.

 

Für den Labor Service war dies eine willkommene Gelegenheit, sich auszudehnen und die Unterbringung der Leute zu verbessern. Das überbelegte Haus # 1, in dem sich bisher die 4077, die 4078, die Headquarters Company und der Stab zusammendrängten, wurde ganz aufgegeben. Die 4077 zog nach Haus # 11, die 4078 in das gegenüberliegende Haus # 14. Im Haus # 11 wurde für diese beiden Kompanien eine Messe eingerichtet. Die 4012 zog nach Haus # 2 und machte dadurch im Haus # 4 Platz für die 4014 und die Headquarters Company, die jetzt das gesamte große Gebäude zur Verfügung hatten. In Haus # 2 wurde außerdem im unteren linken Flügel die Medical Section eingerichtet.

 

Area Headquarters und Supervision bezogen Haus # 5, in dessen Fahrzeughallen auch Kraftfahrzeuge abgestellt wurden. In den Räumen des ehemaligen US „Service Club“ in Haus # 8 wurde im Laufe des Jahres der „Union Club“ eingerichtet, dessen Leitung ein ziviler Pächter übernahm. Der erste Konzessionär war Phillip MAZEJ. Im Clubgebäude war auch das unter LS-Regie laufende Kino untergebracht, wo gegen eine mäßige Gebühr Spielfilme (meist ältere) gezeigt wurden, die auch von den Angehörigen der LS Leute besucht werden konnten.

 

Nachdem ein Teil der Offiziere bereits früher in Haus # 1 a untergebracht worden war, wurde für die übrigen Offiziere nunmehr Haus # 13 als Unterkunft eingerichtet. Haus # 12 diente als Offiziersclub und Unterkunft für die leitenden Offiziere der Area.

 

Die Transportation Section verlegte ihren Fahrzeugpark an die Nordseite des Hauses # 11. Dort wurde auch in einer Holzbaracke das Dispatch Office eingerichtet. Im Laufe der nächsten Monate wurde dort auch eine bereits vorhandene elektrisch betriebene Tanksäule in Betrieb genommen Wasseranschluss gelegt und eine Bühne errichtet.

 

Nach Abschluss dieser Umzugsaktion war Roosevelt Barracks mit  Ausnahme von Haus # 6, in das die IP einzog sowie Haus # 3 und # 1, die unbewohnt waren, ganz vom Labor Service belegt.

 

Am 15. April wurde die 6901 LSA in das 6941 Labor Service Center umgewandelt. (General Order 17, Headquarters BMP, vom April 1952) Die T/D-Stärke wurde durch AG letter 322, HQ EUCOM. vom 2. April 1952 von 1000 auf 920 Positionen reduziert. Am schwersten wurde von dieser Kürzung die HQ Co betroffen (vorher 24 Off, 176 EM - jetzt 17 Off, 103 EM). Sie verlor nicht nur den gesamten Security Platoon, sondern musste auch in allen Sektionen zahlen- und dienstgradmäßige Kürzungen hinnehmen, und das Comm Platoon wurde um 24 Mann reduziert.

 

Die Einbußen an Positionen und Dienstgraden konnten jedoch weitgehendst aufgefangen werden, erstens, weil viele Offiziere und NCO’s auf ihren Positionen noch nicht ausbefördert waren (z.B. war der Area Commander erst Major), zweitens, weil eine Anzahl LS Angehöriger zu LS Einheiten in Westdeutschland versetzt werden konnte und drittens, weil dem nunmehrigen Center erlaubt war, das überzählige Personal als „overstrength“ bis zu einem Ausgleich durch normale Abgänge  weiterzuführen.

 

Die Wachkompanien hatten zahlenmäßig keine Einbußen, es entfiel jedoch das Communication Personal (1 Off, 1 NCO, 2 EM). Die NCO Stellen wurden durchweg um 1 Dienstgrad angehoben, was besonders in finanzieller Hinsicht eine erhebliche Verbesserung bedeutete.

 

Das Communication Platoon, jetzt unter Leitung von LT von KOBLINSKI, erhielt neue Funkgeräte (SCR - 508) mit bedeutend größerer Reichweite, die zum Einbau in Jeeps eingerichtet waren. Eines dieser Geräte wurde im Turm des Hauses # 4 aufgestellt. Von dort wurde Verbindung zum Übungsgelände im Grunewald gehalten, wo zahlreiche Tag- und Nachtübungen abgehalten wurden.

 

Am 10. August starb GUENTER OBST (4014) an den Folgen eines Unfalles auf der S-Bahn. Das Center hielt ihm zu Ihren bei seiner Beisetzung eine Parade ab. Die Center-Führung und die Kompanie stifteten einen Kranz. - Am 12. Mai starb ALFRED MAY (4078) nach längerer schwerer Krankheit. Die Kompanie stellte zu seiner Beerdigung einen Ehrenzug und legte einen Kranz nieder.

 

Nach der Versetzung von LTC LATIMER übernahm LTC  LORENZ den Posten des Staff Representative. Dieser verfolgte vom ersten Tage an eine wesentlich härtere Linie, als die Center-Angehörigen es bisher gewohnt waren. Der Dienst erhielt ein ausgesprochen militärisches Gepräge. Der Dienstbeginn wurde auf 07.00 Uhr vorverlegt. Frühsport und Morgenappell sowie der gesamte Dienst fand unter Kontrolle eines jeweils dazu kommandierten Angehörigen der US Supervisioneinheit statt, der sich laufend Notizen machen und hinterher LTC LORENZ berichten musste. Sogar der Unterricht des Pfarrers wurde auf diese Weise kontrolliert, obwohl die US Soldaten kaum ein Wort Deutsch verstanden. LTC LORENZ  kümmerte sich um jede Einzelheit, und Eingriffe in Entscheidungen des Center Commanders waren nicht selten, was für eine fruchtbare, verständnisvolle Zusammenarbeit nicht gerade fördernd war. Seine rechte Hand, Maj SMITH, versuchte, ihn in dieser Hinsicht noch zu übertreffen. Wenn auch einige recht seltsam anmutenden Anordnungen des neuen Staff Representative mit Humor aufgenommen wurden (z.B. ließ er die das Drillfield „A“ an den Ecken umgrenzenden Ziegelsteine ausgraben, weiss streichen und wieder eingraben), so verschlechterte sich doch die allgemeine Stimmung durch die vielen Appelle und Inspektionen immer mehr. Bis der Center Chaplain, Pfarrer KIETZIG, der über die Sorgen und Nöte der Männer mit am besten unterrichtet war, die einmalig günstige Gelegenheit des Berlin-Besuches des amerikanischen Außenministers Dean ACHESON beim Schopf ergriff und Bischof DIB ELIUS bat, bei ACHESON in Sachen Labor Service vorstellig zu werden. Die mutige Tat Pfarrer KIETZIGS war zwar für das Center erfolgreich (LTC LORENZ wurde zur 6th Infantry versetzt), er selbst jedoch wurde als "persona non grata" angesehen und musste den Posten eines LS Chaplains mit einer Pfarrerstelle in Limburg/Lahn vertauschen. Neuer Staff Representative wurde LTC CORLEY, neuer Chef des 7897 Labor Supervision Centers CPT HOLCOMB.

 

Gleichzeitig trat auch in der deutschen Führung eine Veränderung ein: Center Commander wurde der bisherige CO des Bremerhavener Centers, LTC KOLLOCH. MAJ ESCHENBURG wurde Center X0. Diese Position war seit dem Weggang von MAJ GRAMS zum Amt BLANK durch CPT ALTENHENNE besetzt gewesen, der nun wieder Adjutant wurde. Im Juli hatte auch der S-3 Op Off, MAJ KRANENBERG, auf Anordnung der vorgesetzten US Dienststelle ausscheiden  müssen. Als neuer Chaplain wurde Pfarrer BUISMANN, Verfasser des Buches „Du und die Religion“, eingestellt.

 

Der neue Kommandeur  versuchte, durch besondere Exaktheit und Einheitlichkeit bei den häufig stattfindenden Inspektionen die übergeordneten US-Dienststellen zu beeindrucken. Sein Ziel war, das Ansehen des Berliner Labor Service zu erhöhen und den LS-Männern einen Status zu schaffen. Es ist schwer zu sagen, ob ihm dies wirklich gelang. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass überaus häufig Besuche bedeutender Persönlichkeiten von deutschen und US-Dienststellen stattfanden. Das Wichtigste bei den Inspektionen und Besuchen war ein einheitliches Fullfield-display. Dazu musste sich jeder Angehörige des Centers einen sogenannten Inspektionssatz kaufen. Er bestand aus Rasierapparat, -pinsel, -seife, -klingen, Kamm, Zahnbürste, -pasta, Seife und Schnürsenkeln. Jeder einzelne Mann hatte genau die gleichen Artikel.

 

Es gab aber auch erstmals eine genaue Vorschrift  für das Auslegen der Ausrüstung; sie musste  peinlich genau eingehalten werden. Nicht die allergeringste Abweichung war erlaubt. Man kann sich unschwer  vorstellen, daß die vollkommene Einheitlichkeit bei mehreren hundert Männern auf jeden Besucher oder-Inspizierenden einen nahezu überwältigenden Eindruck machte. Wieviel Fleiß und Schweiß, Mühe und Nervenkraft, Überstunden und durcharbeitete Nächte jeder LS-Mann  mehrmals im Jahr dafür aufwenden musste steht auf einem anderen Blatt. (Überstunden wurden zu dieser Zeit nicht bezahlt)

 

Das es Männer gab, die mit geringem Verdienst und ohne Aussicht auf einen Status, der ihre Zukunft sicherte, ein derartig großes Interesse an ihrer Arbeit aufbrachten, muss ganz besonders betont werden und dürfte in der deutschen Nachkriegsgeschichte nahezu beispiellos sein. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die an LS-Männer ausgegebene Bekleidung und Ausrüstung „Class X Property“ war, was bedeutete, dass es sich ausschließlich um getragene bzw. gebrauchte (und vielfach) geflickte Sachen handelte. Trotzdem war es buchstäblich undenkbar, dass bei der Inspektion einer Wachkompanie bei den Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen der Männer etwa mehr als 3 Beanstandungen festgestellt wurden.

 

Verwaltung und Organisation der Einheit wurden gestrafft. Bisher war es nicht  selten vorgekommen, dass LS-Angehörige eine ganz andere Tätigkeit ausübten, als ihren Positionen entsprach. Derartiges gab es in allen Dienstgraden, bei CPL’s sowohl wie bei CPT’s. Das hörte nun auf.

 

Im laufe des Jahres erfolgte der Umtausch der 2 1/2 to Trucks GMC in neue 21/2½ to Trucks M 34, und der alten 3/4 to Trucks in neue 3/4 to Trucks M 37. So war der Motor Pool fast nur mit neuen Fahrzeugen ausgerüstet. Dazu kam noch ein Sedan Opel Kapitän für den neuen Kommandeur. Am 1. Dezember übernahm LT RAABE die Stelle des Motor Officers, und LT  BUNGERT wurde Maintenance Officer.

 

Beim Sportfest anläßlich des Jahrestages wurde die 4077 LSCo Sieger in der 4 x 100 m Dienstgradstaffel, der 3 x 1000 m Staffel und der 20 x 100 m Staffel; die HQ Co wurde Handballmeister des Centers.

 

Am 5. Dezember wurde Berlin Military Post in Berlin Command umbenannt.

 

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