Das 6941st Guard Battalion Berlin - 3. Kapitel 1951

 

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Im Dienstbetrieb der 6901 Labor Service Area hatte sich nun ein gleichmäßiger Wechsel zwischen Wache und Ausbildung eingespielt. Jeweils 2 Wachkompanien waren 4 Wochen auf Wache und 4 Wochen in Ausbildung im Wechsel. Neue Wachobjekte kamen hinzu. 

 

Am 10. Januar fand eine Inspektion der Area durch den EUC0M Director of Posts Brig Gen GALLAGHER, statt. Es war dies die erste in einer langen Reihe von Inspektionen, zu deren Vorbereitung von Mal zu Mal größere Anforderungen an Zeit, Mühe und guten Willen gestellt wurden.

 

Im Februar erhielt das Com Plat die ersten Funkgeräte (SCR - 610, SCR 300, AM/PRC - 6). Neuer Com Officer urde der bisherige Gd Plat Ldr NASS. Im Mai begann die Ausbildung an den neuen Geräten. Im Rahmen dieser Ausbildung wurden im Grunewald Übungen größeren Umfangs abgehalten. Über ein internes Telefonnetz standen alle Kompanien und Sektionen miteinander in Verbindung. Die Vermittlung wurde infolge eines Umzuges des Com Plat von Haus # 1 nach Haus # 4 verlegt.

Auch der Motor Pool erreichte im Februar endlich sein Fahrzeug-Soll. Der Mtr Off, LT KOLLAT, erhielt die Befugnisse eines Fahrlehrers und die Genehmigung zur Abnahme von Prüfungen für den US Militärführerschein. Im Gebäude # 4 wurde ein Fahrschullehrraum eingerichtet. Der erste Lehrgang für Kraftfahrer. bei dem auch MSG GANSEL als Fahrlehrer eingesetzt war, wurde am 3. Februar beendet. Im Juni wurde die bis dahin vakante Stelle des Maintenance Officer mit LT RAABE besetzt. Im November konnte die 6901 LSA als erste Einheit in Berlin ihre alten Willys Jeeps in fabrikneue Jeeps M 38 umtauschen.

 

Es ist an der Zeit, etwas über die Arbeitsbedingungen im Berliner Labor Service zu sagen, Die Zeiteinteilung im Wachdienst wurde schon erwähnt. Kraftfahrer und Küchenpersonal arbeiteten ebenfalls im Schichtdienst. Für das übrige Personal galt die normale Dienstzeit von 08.00 - 17.00 Uhr mit Ausnahme von Sonnabends, wo nur bis 12.00 Uhr gearbeitet wurde. Von Anfang an wurde jedoch, hauptsächlich in den Wachkompanien, eine Anzahl von Leuten für etwaige Notfälle (Brandwache, Sondereinsätze etc.) in der Kaserne zurückbehalten.

 

Am 15. Juni wurde die bisherige 39th Lab Supv Company in das 7897 Lab Supv Center umgewandelt. Am 25. Mai hatte sich bereits  COL SHETTLE verabschiedet. Nachfolger wurde LTC LATIMER. Dieser bestimmte, dass jeweils 1/3 des Tagesdienstpersonals nach Dienst bis zum nächsten Morgen in der Kaserne bleiben musste, Verheiratete ausgenommen. Bei Angehörigen der HQ Co, die bisher von der Gestellung von Bereitschaftsdiensten weitgehendst. verschont geblieben waren, kam es daraufhin zu einer Protestversammlung auf dem Boden von Haus # 1, die erst durch das diplomatische Geschick der leitenden Offiziere und nach genauer Erläuterung der neuen Bestimmungen, die bei näherem Hinsehen gar nicht so einschneidend waren, aufgelöst werden konnte.
Zum besseren Verständnis für das Verlangen des Arbeitgebers, der im übrigen nur nach militärischen Gesichtspunkten zu urteilen gewohnt war, muss man sich die damalige Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt vergegenwärtigen. Fehlstellen bei der Area gab es praktisch nicht. Bei der Personalabteilung wuchsen die Bewerbungsschreiben an, insbesondere die von ehemaligen Offizieren. Die Area konnte sich erlauben, zu sieben und einen hohen Maßstab bezüglich der Einstellungsbedingungen anzulegen.

 

Die Tatsache, dass die Beschäftigung beim LS als eine begehrte Tätigkeit angesehen wurde, wirkte sich auch günstig auf die Arbeitsmoral aus: Auf korrektes, diszipliniertes Auftreten wurde großer Wert gelegt; die Chancen für Beförderungen waren aber beschränkt, so daß sich ein echter Leistungswettbewerb entwickelte. Gegen gelegentlich vorkommende Verstöße gegen Ordnung, Disziplin und Dienstbestimmungen, gab es außer dem mündlichen Verweis, dem schriftlichen Verweis (den Angehörigen als "Schriftmann" bekannt), der Degradierung und der Entlassung die außerordentlich wirksame Maßnahme der „Suspendierung vom Dienst ohne Bezahlung“ (Suspension of duty with loss of pay), die für die Dauer von 1 - 10 Tagen ausgesprochen werden konnte. Die Degradierung war ebenfalls eine empfindliche Strafe, da die Bezahlung sich nach dem LS Dienstgrad richtete.

 

Im Sommer wurde es notwendig, eine Ausbildungsmöglichkeit für neu hinzukommende LS Angehörige zu schaffen. Für die dafür gebildete „Replacement Unit“ stellten die Kompanien geeignete Offiziere und NCO’s als Ausbilder ab. Die ersten größeren Ausbildungslehrgänge standen unter der Leitung von LT BUNGERT (vormals CO. 4078 LS Co). Später übernahm LT RICHTER diese Aufgabe. Die Anzahl der Gruppen richtete sich nach den eingestellten Bewerbern. Diese wurden damals zunächst in die HQ Co eingestellt und dann nach erfolgter Ausbildung dem Bedarf entsprechend zu den einzelnen Wachkompanien versetzt. Die Ausbildung dauerte normalerweise 4 Wochen.

 

Alle LS Angehörigen nahmen an der recht ordentlichen Verpflegung teil, die ab Februar auf das deutsche Geschmacksempfinden umgestellt worden war. Ein Großteil der Lebensmittel wurde fortan vom Berliner Markt bezogen und zwar über Procurement Branch der Quartermaster Division. Zwecks Überprüfung der gelieferten Lebensmittel und der Lieferfirmen wurde der Area ein Veterinär (Veterinarian) zugeteilt, der Anfangs auf einer Heidelberger Position, später (1955) auf der Center T/D geführt wurde. Der erste Veterinär war Dr. PANDER. Am 1. Juli löste in Heidelberg General BRANDENBERGER den bisherigen Liaison Director, General MATZKY im Amt ab, der zum Bundesgrenzschutz ging.

 

Im Juli konnte endlich auch die Chaplain Position mit einem Pfarrer der ev. Kirche, Pfarrer KIETZIG, besetzt werden, der die seelsorgerische Betreuung der Männer übernahm. Pfarrer KIETZIG trug die LS Uniform und hatte den Rang eines Captain.

 

Am Freitag, den 13. Juli, gegen 13.00 Uhr ereignete sich ein folgenschwerer Unfall: Auf dem Rückweg von der Schultheiss Brauerei, wo eine Ladung geliehener Tische und Stühle abgeliefert worden war, geriet ein 2 ½ to Truck in der Manfred-von-Richthofen Straße in Tempelhof in einer Kurve ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Der Fahrer, PVT HENKE, 4077, wurde bei dem Aufprall so schwer verletzt, dass ihm das rechte Bein am Oberschenkel amputiert werden musste.

 

Mitte des Jahres wurden die Feldbetten und die offenen Regale durch Holzbetten und verschließbare Mannschaftsschränke ersetzt. Im Herbst gelangten neue, blau-graue Uniformen mit Bergmütze zur Ausgabe. Diese Uniform durfte jedoch vorerst nur bei besonderer Anlässen getragen werden; die schwarze Uniform blieb Dienstanzug. Zum Drillichanzug wurde eine (bei der US Army längst ausrangierte) Mütze mit rundem Rand getragen, die wegen ihrer wenig ansprechenden Form „Baumwollpflückerhut“ getauft wurde. Nach und nach wurden die „Service Boots“, die im Wach- und Exerzier-Dienst nur zusammen mit Schnürgamaschen getragen werden konnten, durch „Combat Boots“ ersetzt, wodurch die unbeliebten Gamaschen wegfielen.

 

Am 15. Februar war durch die Initiative des Area Executive Officers, CPT GRAM, die „Lichterfelder Sport Union“ (LSU) gegründet worden, deren Fußballabteilung und Boxstaffel überwiegend aus Angehörigen der 6901 LSA bestanden. Für die Boxstaffel wurde aus eigenen Mitteln die ehemalige Reithalle in Gebäude # 7 zu einer Sporthalle mit Tribünen (ca. 1200 Sitzplätze) und erhöhtem Boxring ausgebaut, die am 2. Juli 1951 im Beisein des am 1. Juli 1951 zum Brig Gen beförderten BMP Commander DANIEL und seines Deputy, COL LEONE, mit einer Boxkampfveranstaltung LSU gegen Spandau 26 eröffnet wurde.
Die Fußballabteilung erfreute sich der besonderen Fürsorge des US LT SHIGEKI W. ISHIDA, der als Supply Officer der Supervision Company zugeteilt war und unter dessen Leitung auf dem großen Paradeplatz (Drillfield „A“) in monatelanger Arbeit ein Sport- und Fußballplatz angelegt wurde. Trotz mannigfaltiger Experimente gelang es doch nicht ganz, den Sand zu bändigen, der bei Wind in dicken Wolken über den Platz wehte, weshalb dieser Platz im LS Jargon auch „ISHIDA’S „Wanderdüne“ genannt wurde.

 

Die Personalabteilung erhielt den Auftrag: in einer Sonderaktion polnische Flüchtlinge, die bisher von US Dienststellen in Berlin betreut worden waren, zu erfassen, einzustellen und per US Lufttransport an westdeutsche LS Einheiten weiterzuleiten. Insgesamt wurden auf diese Weise 254 Polen eingestellt und jeweils mit gleichem Datum versetzt. Das Haus # 13 wurde nach Renovierung als „Union Clubs“ mit PX, Kaffeestube und kleiner Tanzbar eingerichtet. Der 1. Jahrestag im September wurde in feierlicher Form begangen. Eingeleitet wurde er mit einem Sportfest, bei dem Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen der Leichtathletik und Ballspiele zwischen den Kompanien ausgetragen wurden. Der Area Commander, MAJ ESCHENBURG, hielt eine Ansprache an die auf dem Drillfield „A“ versammelten LS Angehörigen und verlieh die ersten von HQ EUCOM gestifteten Commemorative Badges.

 

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