Das 6941st Guard Battalion Berlin - 2. Kapitel 1950

 

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 Am 5. September 1950 wurde im damaligen West-Berlin nach General Order Nr. 53 vom 28. August 1950 die
6901 LABOR SERVICE AREA (GUARD)
aufgestellt.

 

Die gleichzeitig herausgegebene T/D (Table of Distribution = Stärkenachweisung) sah eine Gesamtstärke von 1000 Mann vor, die in 4 Wachkompanien zu je 200 Mann und in einer ebenfalls 200 Mann starken Stabskompanie zusammengefasst waren.

 

Die Ausrüstung war in einer T/A (Table of Allowance = Ausrüstungssnachweisung) festgelegt.
Fragen der Verwaltung, Versorgung, Arbeitsbedingungen, Ausbildung etc wurden durch die im "Circula 12“ veröffentlichten Richtlinien geregelt, das später durch den AG letter 322, HQ ETJCOM ersetzt wurde.
Die 6901 Labor Service Arca unterstand organisatorisch der Labor Services Division in Heidelberg, deren erster German Liaison Director der ehemalige General MATZKY war.

 

Als Unterkunfts-Bereich wurde dem Labor Service die von den US-Besatzungsstreitkräften in "Roosevelt-Barracks“ umgetaufte ehemalige Gardeschützenkaserne Lichterfelder Gardeschützenweg zugewiesen, in der zu dieser Zeit einige kleinere US-Einheiten (Heavy Mortar Company, Honor Platoon, Army Band) untergebracht waren.

 

Mit der Aufstellung der Area war die 39th Labor Supervision Company beauftragt, die fortan auch die direkte Aufsicht über die deutschen Einheiten ausübte. Ausser dem Commanding Officer, CPT ARNOLD, dem S-3 Officer, CPT PALMER, und dem S-4 Officer, LT PIERCE, bestand die Supervision Company lediglich aus einigen US Sergeants und Clerks (lst SGT CANTRFIL, Op SGT RYAN, Fers SGT REVILL, Adm Clerk PASCUCCI, Supply SGT ORR u.a., die als Berater den deutschen Führungs- und Verwaltungskräften mit Rat und Tat über die Anfangsschwierigkeiten hinweghalfen.

 

Die Gesamtverantwortung für den Berliner Labor Service dem Commanding Officer von Berlin Military Post, COL DANIELS, gegenüber hatte der sogenannte Staff Representative. Dies war zuerst MAJ PETERS, ab Oktober COL SHETTLE, der ganz besonders um das Wohl der LS Männer besorgt war und sich großer Beliebtheit erfreute.

 

Den Einstellungen gingen eine Bewerbung bei der Civilian Personnel Section von BMP, wo ein Herr SEICHTER die ausführlichen Fragebögen überprüfte, und eine ärztliche Untersuchung beim US Hospital, Unter den Eichen, voraus. Die Einstufung der Bewerber in den jeweiligen LS-Dienstgrad und damit in die entsprechende Gehaltsstufe sowie die Zuweisung von Position und Einheit wurde vom deutschen Führungspersonal zusammen mit der Labor Supervision Company durchgeführt, wobei frühere Dienstgrade und Laufbahnen sowohl der Deutschen Wehrmacht als auch der IP weitgehendst berücksichtigt wurden.

 

Für die Einstellung war ein Mindestalter von 20 Jahren vorgeschrieben und Bedingung war, dass die Bewerber für Positionen bis hinauf zum Sergeant unverheiratet waren. Bewerber für Officers Positionen wurden meist mit dem niedrigsten Officers Dienstgrad (2nd Lieutenant) eingestellt, dann aber in größeren Abständen höherbefördert.
Die endgültige Entscheidung über Einstellung oder Ablehnung lag beim Staff Representative.

 

Die zuerst aufgestellte Labor Service Einheit war die 4078th Labor Service Company (Guard) (Security) unter der Führung von LT TETZEL. Sie wurde im Haus # 1 untergebracht.
Dann folgten die Headquarters Company unter LT THURAU und
die 4077th Labor Service Company unter LT BAUER, ebenfalls im Gebäude # 1.
Die 4012th Labor Service Company unter LT WIESELHUBER
und die 4014th Labor Service Company unter LT WESTPHAL, die als letzte aufgestellt wurden, hatten ihre Behausung im Gebäude # 4.

 

Mit Wirkung vom 16. Oktober übernahm CPT ESCHENBURG die Führung der 6901 Labor Service Area, Executive Officer wurde CPT GRANS Adjutant LT ALTENHENNE, S-3 Officer 1st. LT KRANENBERG, S-4 Officer 1st. LT SEICHE. Die Unterbringung des Stabes erfolgte im linken Flügel von Haus # 1, wo auch die Supervision Company ihre Diensträume hatte.

 

Die Bekleidung der LS Männer bestand aus schwarz eingefärbten US Uniformen und Drillichanzügen, sogenannten Service Boot’s mit Gamaschen und blaugestrichenen Helmet Liners mit weißen Streifen, die Bewaffnung aus amerikanischen Karabinern (US-carbine 30 M 1). Die schwarze Uniform und die Bezeichnung „Guard“ verschaffte der neu aufgestellten Einheit bei den Berlinern schnell den Spitznamen „Schwarze Garde“.

 

Da die 6901 Labor Service Area, für die volle Motorisierung vorgesehen war, standen:

5   VW,

13  „Jeeps“

2   3/4 to. Trucks

8   1 1/2 to. Trucks (weapons carrier)

19  2 to. Trucks

28  Anhänger

zur Verfügung.

 

Der Motor Pool und die Maintenance Section bezogen die Gebäude # 8 und 9, wo sich die entsprechenden Hallen für Reparatur und. Wartung befanden. Die Fahrzeuge waren auf dem vor Gebäude # 8 und 9 befindlichen Parkplatz abgestellt, auf dem auch eine handbetriebene Tankstelle installiert war. In einer Garage des Gebäudes # 9 war außerdem die US Fire Brigade mit einem Löschwagen untergebracht, der mit deutschem Personal besetzt war.

 

Das Comm Platoon war im 2. Flur des Gebäudes # 1 (Ostflügel) untergebracht. Es erhielt als erste Geräte, Telephone Sets EE 8, ein Switchboard BD-72, sowie Wire W-110 und W-130.

 

Die Verpflegungsannahme- und Verteilungsstelle (Ration Breakdown) unter dem Food Service Officer (LT KUBE) befand sich im Haus # 15. Die Verpflegung wurde in 3 Messen zubereitet und ausgegeben, die sich im Gebäude # 1 (4077.& 4078) und im Gebäude # 4 (4014) befanden. Obwohl die Mahlzeiten kalorienreich und gut waren, fand die typisch amerikanische Geschmacksrichtung nicht den Beifall der an herzhaftere Kost gewöhnten Männer.

 

Gleich nach Aufstellung der ersten Einheiten wurde mit der Ausbildung begonnen. Die für 6 Wochen vorgesehene Grundausbildung erfolgte nach amerikanischen Ausbildungsvorschriften unter Verwendung von deutschen Kommandos. Bei der Ausbildung für den Wachdienst kam die langjährige Erfahrung der früheren IP Angehörigen wirksam zum Tragen.
Nach Abschluss der Grundausbildung und nach erfolgter „Clearance“ durch CIC und Document Center konnten im Oktober/November die ersten LS Leute auf Wache eingesetzt werden.

 

Zunächst wurden zwei sogenannte 24 Stunden Objekte, nämlich Wannsee Depot (Munitionslager) und POL (Treibstofflager) von der IP an den Labor Service abgegeben. Die Wache dort wurde jeweils von einem Platoon von 12.00 bis 12.00 Uhr gestellt. Vor Abfahrt auf die Wachobjekte fand durch den Area Officer of the Day (0D) eine Vergatterung (Guard Mount) statt. Die Wache erfolgte in drei Schichten (Reliefe). jede Schicht hatte während der 2l Stunden 2 x 4 Stunden Wache und. 2 x 8 Stunden Freizeit. Die danach übernommenen Wachobjekte hatten eine andere Diensteinteilung: 4 Stunden Wache - 8 Stunden frei, 4 Stunden Wache - 24 Stunden frei. Die dort eingesetzten Wachleute waren jedoch nicht ständig auf den Wachobjekten stationiert, sondern wurden zu den kurzen Freizeiten in die Kaserne gefahren und hatten nur während der langen Freizeit „Ausgang“. Alle Objekte waren verhältnismäßig stark besetzt, dazu war noch zahlreichen Kontrollpersonal eingesetzt (Officer of the Guard, Sergeant of the Guard, CPL of the Guard). Zusätzlich wurden die Objekte noch von der Area aus kontrolliert und zwar durch die S-3-Guard-Inspectors sowie unregelmäßig durch die Kompaniechefs und durch den Area OD.

 

Zur ärztlichen Betreuung der LS Angehörigen wurde im obersten Stockwerk vom Gebäude #1 eine „Medical Dispensary eingerichtet. Die Leitung hatte Dr. BLOCH, dem ein Zahnarzt, Dr. WEYERS, und erfahrenes Sanitätspersonal zur Seite standen.

 

Das Leben in Roosevelt Barracks verlief nach militärischen Prinzipien. Das Grüßen von Vorgesetzten war Pflicht und zwar durch Anlagen der Hand an die Kopfbedeckung und - für altgediente Soldaten eine ungewohnte Sitte - an den unbedeckten Kopf. Stubendienste wurden eingeführt, und jede Kompanie hatte einen „Charge of Quarters“ (CQ), der nach Anweisungen des 1st Sgt für die innere Ordnung verantwortlich war. Wecken, Dienstschluss und Zapfenstreich wurde von einem Trompeter der US-Band durch Hornsignale angezeigt, und jeden Morgen erfolgte die Flaggenhissung durch Angehörige der Labor Supervision Company auf dem Drillfield „A“, wo auch bei Dienstschluss die Flagge nach alter militärischer Tradition wieder eingeholt wurde.

 

Ihre Freizeit verbrachten die LS Männer zu einem großen Teil in der Kaserne. Die Stuben waren mit Feldklappbetten und offenen Regalen ausgestattet, die als Schränke dienten. Bis auf die Verheirateten, die außerhalb wohnen durften, waren alle LS Männer gehalten, um 24.00 Uhr wieder in der Kaserne zu sein. Nachturlaub (bis 06.25 Uhr) wurde nur in Ausnahmefällen gewährt.
Das Kasino-Gebäude (Haus 12) war vom amerikanischen „Stork Club“ belegt, der übrigens auch in der Fahrzeughalle des Hauses # 6 eine Kegelbahn unterhielt. Um den LS Angehörigen eine Kantine zu schaffen, wurde daher provisorisch in einem Kellerraum des Gebäudes # 4 ein sogenannter „Biergarten“ eingerichtet. Dazu kam noch ein von der Area in eigener Regie betriebener „PX“ im Gebäude # 1, der unter Leitung von LT BERG (Supply Assistant) stand und in dem Waren des täglichen Bedarfs zu Großhandelspreisen verkauft wurden (z.B. kostete eine 10 Pf.-Zigarette nur 9 Pf.).

 

Zum Weihnachtsfest 1950 wurde von den Angehörigen der 6901 Labor Service Area ein namhafter Geldbetrag zur Bescherung von Waisenkindern gesammelt.

 

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